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Der Badalisc-Ritus in der Valle Camonica

Verfasst von maggioni-tm am 16. November 2011

maggioni-tm

Um den Dreikönigstag herum hält ein Fabelwesen das norditalienische Dorf Andrista in Atem

Die Silvesterfeierlichkeiten sind noch nicht vergessen, da geht der Trubel im kleinen Camonica-Dorf Andrista in Italien bereits weiter. Grund ist die traditionelle Gefangennahme des lokalberühmten Fabelwesens Badalisc am Abend des 05. Januar. Nach dem Verlesen seiner satirischen Reden auf der Hauptpiazza der Ortschaft mündet das Ganze in ein ausgelassenes Fest mit Schmaus und Tanz.

Andrista gehört zu der Gemeinde Cevo in dem Tal Valsaviore. Dieses wiederum liegt im Adamello-Regionalpark und ist eines der bedeutendsten und tiefsten Seitentäler der Valle Camonica. Seinen Anfang nimmt es in Cedégolo, von wo es in Richtung Adamello-Massiv vordringt. Der Legende nach lebt in den Wäldern der Valle Camonica das seltsame Wesen Badalisc. Seine Züge erinnern an eine Mischung von Schlange und Ziege, es hat glänzende Augen, einen großen Mund und lange Hörner. Jedes Jahr begeben sich die jungen Leute von Andrista in der Nacht vor dem Dreikönigstag in den nahegelegenen Wald, um den Badalisc einzufangen und ihn sodann ins Dorf zu führen – so auch wieder am 05. Januar 2012.

Sein Erscheinen im Dorf wird von einigen traditionellen Masken begleitet, darunter der Junge, der Alte, die Alte und das Fräulein, dem im Übrigen die Rolle des Köders obliegt. Auch dabei sind alte Hexen, „le vecchie befane“, die auf Milchkannen einschlagen sowie bärtige Hirten, die sich unsicheren Schritts auf ihre gekrümmten Stöcke stützen. An einem Strick wird der Badalisc durch die Ortschaft zur Piazza geführt. Dort angelangt beginnt der Diskurs, „la ’ntifunada“. Wurde die satirische Rede in Reimform einst improvisiert und aus dem Stegreif gehalten, verliest heute ein Sprecher den Text des Badalisc und enthüllt auf diese Weise alle „Sünden und Machenschaften“ der Gemeinde.

Die gesamte Abhandlung wird von kraftvollen rhythmischen Stockschlägen begleitet. Verursacht werden diese von einem finsteren Männlein, das das mythologische Wesen bereits bei Betreten des Dorfs zu einem groben Duell herausgefordert hat. Der Diskurs endet mit einem großen Fest, auf dem das Tanzbein geschwungen und die sogenannte „Polenta del Badalisc“ gegessen wird.

Bis vor kurzem zogen die Kinder von Andrista während des gesamten Spektakels los, um in den Häusern zu betteln. Und den Frauen des Dorfes war es verboten, den Badalisc zu sehen oder dessen Rede zu hören. Sofern es dennoch geschah, wurde der Betreffenden am nächsten Tag die Kommunion verweigert. Seit einigen Jahren versucht man, dem Abend des 04. Januar seinen ursprünglichen Stellenwert wiederzugeben. Laut Überlieferung der Dorfältesten zogen die Jugendlichen einst bereits an besagtem Abend durch das Dorf und machten einen enormen Krach mit typischen Instrumenten, Töpfen usw. – schließlich musste der extrem neugierige Badalisc doch angelockt werden! Man hat diese Tradition aufgegriffen, so dass auch heuer schon am 04. abends ein lärmendes Fest mit Musik steigt, in der Hoffnung eine Vielzahl von jungen Leuten aus dem gesamten Camonica-Tal anzulocken. Und natürlich auch den Badalisc… Zu guter Letzt: der Nachmittag des Dreikönigstags gehört nun wieder ganz den Kindern. Sie werden von Haus zu Haus ziehen, um das gelbe Mehl zu erbitten, das dann abends mit Wasser erneut zur wohlschmeckenden „Polenta del Badalisc“ verarbeitet wird.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite www.badalisc.it.

 

 

 

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Badalisc

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1 Kommentar

maggioni-tm

Cool. Davon wusste ich bislang auch noch nichts.
Ich mag so alte Sitten sehr!

Alex am 16.11.2011 um 13:42 Uhr

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